Die LAN-Party – Nostalgie oder voll im Trend?

18. Februar 2022 |

Lea Neuhaus-Nußbaum

Mit Freunden zusammen zu spielen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Einfach den PC oder die Konsole einschalten und schon warten die unendlichen Weiten des Online-Gamings. Dass man für das gemeinsame Spielvergnügen vor einigen Jahren noch einen weitaus höheren Aufwand betreiben musste, ist für so manchen jungen Gamer heutzutage nur noch schwer vorstellbar. 

Ein bisschen LAN-Geschichte

Den Anfang nahm das Phänomen LAN-Party in den späten 1980er und 1990er Jahren. Eines der ersten Spiele, das gespielt wurde, war „MIDI Maze“, ein Multiplayer-Computerspiel für den Atari ST. Das funktionierte allerdings nur, wenn ein so genannter „MIDI-Ring“ gebildet wurde, bei dem bis zu 16 Geräte über Kabel an den Atari angeschlossen werden konnten, der dann den „Master“ bildete, der die angeschlossenen Geräte steuerte. Nur so war es möglich, überhaupt zusammen zu spielen. Die eigenen Endgeräte musste dafür jeder selbst mitbringen. Nicht selten sah man junge Gamer, die in Schubkarren oder mit Bollerwagen die schweren Röhrenbildschirme oder ganze Rechner transportierten.

Der nächste Schritt waren dann die „LAN“-Partys im Wortsinne, bei denen sich die Spieler über das Ethernet zusammenschlossen – über LAN-Kabel und dem guten alten Netzwerk-Switch. W-LAN existierte noch nicht, daher bestanden die LAN-Partys hauptsächlich aus sehr vielen Kabeln, die hoffentlich jeder von zuhause mitbrachte. Technische Probleme gab es dabei genau so zuverlässig wie Pizza und viel zu wenig Schlaf. Gespielt wurden Klassiker wie Command & Conquer, Warcraft II und natürlich Counter-Strike. Doch die LANs fanden nicht nur in kleinen Kinderzimmern oder Kellern statt, sondern bald auch als öffentliche Veranstaltungen. Die erste LAN mit mehr als 1.000 Teilnehmern wurde 1999 in Duisburg veranstaltet – für die damalige Zeit eine wirklich große Anzahl an Gamern. Den Weltrekord hält allerdings die DreamHack, bei dessen Winter-Party 2013 22.810 Spieler teilnahmen. 

Wahre Gefühle

Die LAN-Partys waren also ein richtiges Event, bei dem es um mehr ging, als nur das gemeinsame Spielen. Es ging auch darum, gemeinsam Zeit zu verbringen, eine Gemeinschaft zu bilden und das gemeinsame Hobby zu zelebrieren. Und das war den oft großen Aufwand wert. Das beinhaltete auch, „mal eben“ Windows neu auf dem eigenen Rechner zu installieren, wenn es wieder einmal so gar nicht klappen wollte. Und auch das Kabelwirrwar war oft der wahre Feind eines jeden Gamers, sozusagen der Endgegner, noch bevor das Spielen überhaupt begonnen hatte.

Viel Aufwand, viel Herzblut und vor allem viel Geduld waren gefragt. Und dann durfte man noch hoffen, dass die Sicherungen nicht rausflogen – und dass alle den gemeinsamen Server wirklich sehen konnten. Doch wer all das nicht durchgemacht hat, kann kaum nachvollziehen, wie schön dieses Gefühl war, endlich den Startbildschirm des favorisierten Spiels zu sehen – und zwar auf allen Bildschirmen gleichzeitig. Der Moment, in dem endlich alle angeschlossen waren und alle Rechner miteinander verbunden waren, machte alle vorherigen Schwierigkeiten wett.

Nostalgie als Trend

Heute sind die LAN-Partys eine absolute Seltenheit geworden. Die Gamer spielen bequem vom eigenen Zuhause aus und müssen sich für das gemeinsame Spielen nur auf das eigene Sofa oder den eigenen Gaming-Chair bewegen. Dadurch ist vieles einfacher geworden. Aber natürlich auch eine Spur alltäglicher. Mit Freunden spielen kann man jederzeit, eine wirkliche Vorbereitung ist dafür nicht mehr notwendig. Doch die Nostalgie bleibt. Wer erinnert sich nicht gerne an die Zeit, zu der man sich mit seinen Freunden verabredete und sich auf den Weg machte, um eben gerade nicht wie immer allein zuhause zu sitzen. Gemeinsam Pizza essen, gemeinsam fluchen und gemeinsam über den einen Freund lachen, der seine komplette Festplatte versehentlich für alle freigegeben hatte (den gab es immer, oder?). Der Retro-Trend lebt und das nicht nur in den Herzen der damaligen Anhänger. Auch viele junge Gamer, die damals noch gar nicht dabei waren, empfinden die LAN-Party als echten Retro-Geheimtipp. Online kann jeder. LAN ist was für Genießer. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass die LAN-Party wieder an Beliebtheit gewinnt, insbesondere jetzt, wo viele das ständige pandemiebedingte Zuhausesitzen deutlich satt haben.

Zum Glück gibt es Orte, an denen das gemeinsame Spielen auch heute noch möglich ist – nur mit schnelleren Verbindungen und etwas weniger Kabelwirrwar. Auch hier in der Esport Factory ist das möglich. Unsere Bootcamps sind die Alternative für diejenigen, die das Gefühl von damals noch einmal aufleben lassen wollen, sich die Mühen von damals aber gerne ersparen möchten – schließlich hat man das damals schon lang genug durchgemacht, oder? Wer sich als junger Gamer aber die ganze Erfahrung einmal geben möchte, sollte seinen Rechner einpacken und die Freunde zusammentrommeln – und hoffen, dass er nicht auf der letzten Treppenstufe herunterfällt. Aber auch das sollte man wohl einmal durchgemacht haben. Es lebe die Nostalgie!